Das Projekt

Seit Sommer 2013 wehrt sich eine breite Allianz von QuartierbewohnerInnen und lokalen Betrieben gegen ein städtisches Luxuswohnbauprojekt in der Berner Lorraine. Aus dem Quartier heraus entstand die Idee, ein eigenes Wohnbauprojekt «von unten» zu entwickeln, das preisgünstigen Wohnraum schafft und die Bedürfnisse der Quartierbevölkerung aufnimmt. Den Auftakt zu diesem Prozess bildete eine Quartierversammlung am 18. Januar 2014. 

 

Auf dem betreffenden Areal realisierte das Nachbarschaftskomitee Lorraine im Vorfeld eine Ausstellung über alternative Wohnbauprojekte, und ein Schreinereikollektiv aus dem Quartier baute den Prototyp eines kostengünstigen, modularen und nachhaltigen Wohnkörpers in Form einer beheizbaren, 5x5x3m grossen Wohnbaukulturbox.

 

An der Tour de Lorraine 2014 zum Thema «Recht auf Stadt» und mit dem Titel «Hier baut das Quartier» wurde die Box eingeweiht. Sie diente von Januar bis Mitte April 2014 gleichzeitig als Ausstellungspavillon, Inspirationsquelle und Anschauungsbeispiel, aber auch als Veranstaltungsraum und Ort des Austauschs. Anschliessend ging das «Böxli» auf eine kleine Tournee nach Kriens und Luzern, und Ende Oktober 2014 ist es wieder in der Lorraine gelandet. Hier steht es nun wieder der ganzen Quartierbevölkerung zur Verfügung.



Die Box

Entworfen hat die Box Huldi Hug aus Sevelen (SG), der Gewinner des Rachel-Architektur-Wettbewerbs in Köln, eines Open-Source-Projekts zur Entwicklung kostengünstiger, modularer, energieautarker und nachhaltiger Wohnkörper.

 

Das Schreinereikollektiv «Holzlabor» aus der Lorraine hat die Box gemeinsam mit Huldi Hug vom 6. bis 18. Januar 2014 aufgebaut, und zwar unentgeltlich! Vielen Dank an dieser Stelle an das Holzlabor, an Huldi Hug und an alle lokalen Betriebe, die das Projekt mit viel Engagement unterstützt haben, wie die Varium Bau AG,  die unentgeltlich die Fundamente erstellt hat! Aber auch an all die Beizen im Quartier, bei denen die HandwerkerInnen während der Bauzeit gratis oder für einen kleinen Preis essen konnten.


 Die Box bietet innen ca. 21 Quadratmeter Raum. Sie ist quadratisch (aussen 5 mal 5 Meter) und 3 Meter hoch. Sie ist mit einem Holzofen mit Kochplatte beheizbar. Dank Lukas Zimmermann von der Solarwerkstatt produzieren sie eigenen Strom: Vier grosse Panels auf dem Dach und die Akkus in der Solarbox liefern genug für Kino, Musik und vieles mehr.


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Finanzierung und Dank

Der grösste Teil der gesamten Finanzierung kam durch Hunderte von unentgeltlichen Arbeitsstunden zustande (siehe auch oben).

 

Frankenmässig haben wir für das ganze Projekt rund 20'000 ausgegeben. Der Verein Tour der Lorraine hat 5000 Franken beigesteuert, die Wohnbaugenossenschaft Q-Hof ebenfalls 5000 Franken und 1000 Franken der Verein Läbigi Lorraine. Für weitere 10'000 Franken haben wir im Dezember 2013 ein Crowdfunding gestartet. Zwei Monate später war das Finanzierungsziel erreicht: 122 Leute haben einen grösseren oder kleineren Beitrag gespendet. Herzlichen Dank an alle!

 

Wer die Aktivitäten des Vereins «Hier baut das Quartier» weiterhin unterstützen möchte, ist herzlich willkommen, dies zu tun. Wir arbeiten alle unentgeltlich für das Projekt, und ihr ermöglicht uns damit den Druck von Flyern, die Anschaffung von Inventar fürs Böxli und vieles mehr.

 

61-274451-1; IBAN CH15 0900 0000 6127 4451 1
Verein "Hier baut das Quartier", c/o Nachbarschaftskomitee Lorraine, Q-Hof 6, 3013 Bern

Danke!



Städtischer Luxuswohnbau? – Refusé!

Die Berner Lorraine ist ein lebendiges Quartier mit (noch) hoher sozialer Durchmischung und gutem Zusammenhalt. In den letzten Jahren hat die Gentrifizierung jedoch auch vor der Lorraine nicht Halt gemacht; viele Bewohnerinnen und Bewohner mussten aufgrund von Hausverkäufen, Luxussanierungen und Verkäufen als Stockwerkeigentum das Quartier bereits verlassen.

 

Entgegen früherer Versprechen hat im Frühling 2013 auch die Stadt Bern angekündigt, auf ihrem Areal am Centralweg sehr teure Wohnungen bauen zu wollen. Verantwortlich für diesen Entscheid ist der Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik.

 

Nachdem im Mai 2013 bekannt wurde, dass nicht günstiger, sondern teurer Wohnraum entstehen soll, haben über 40 Läden, Betriebe und Beizen aus der Lorraine einen Aufruf zum Protest unterschrieben. Gegen hundert Quartierbewohner_innen spazierten am 6. Juni 2013 mit Transparenten und Musik von der Lorraine aus Richtung Rathaus, um beim Stadtrat Einspruch zu erheben – «das Bauprojekt zurück an den Absender!». 

Im September 2013 wurde eine Petition eingereicht mit dem Titel «Kein Luxuswohnraum in der Lorraine – Das städtische Bauprojekt a Centralweg muss gestoppt werden!». Aufgrund der Proteste aus dem Quartier, eines neuen Parlaments­entscheids und einer Beschwerde war die Situation längere Zeit blockiert. Zurzeit sind noch Einsprachen gegen das Baugesuch hängig, die Proteste gehen weiter, und das Böxli wird von der Quartierbevölkerung rege genutzt.



Die Perspektive

Unser Fernziel ist die Umsetzung des entwickelten Konzepts unter Mitarbeit solidarischer Fachleute, lokaler Erwerbslosenprojekte, zukünftiger BewohnerInnen etc. Das Projekt gibt Gelegenheit zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit auf Themen des ökologischen, sozialen Bauens, der Anzahl Quadratmeter Wohnfläche pro Person und gemeinschaftlicher Nutzungen für das ganze Quartier.

 

 

 

Zum Schluss noch ein zukunftsweisendes Zitat:

«Man redet nicht gerne darüber, aber es ist ein Überbleibsel des Feudalismus, dass die einen Grund und Boden besitzen und sich dafür zahlen lassen, dass die anderen darauf wohnen dürfen.»

Susan Boos in der WOZ vom 22. Januar 2015: